Acht neue Feste
In Zeremonie mit dem Jahr · Für die Übergänge, die sonst einfach passieren
96 Seiten · als PDF · 24 €
Die erste Seite
So beginnt das Buch. Mit den Stellen, für die es keine Einladung gibt.
Wir feiern Geburtstage. Hochzeiten. Weihnachten. Für solche Tage gibt es eine Form. Wir laden Menschen ein. Wir suchen Worte.
In diesem Jahr fängst du etwas an, das dir wichtig ist, und niemand weiß davon. Du lebst längst anders, sprichst aber noch in den alten Sätzen darüber.
Du schaffst etwas und bist am nächsten Morgen schon beim Nächsten. Etwas geht zu Ende, und du gehst trotzdem zur Arbeit.
Das Jahr verändert sich sowieso. Draußen und in deinem Leben. Der Unterschied ist nur, ob du hinguckst.
Dieses Buch gibt acht dieser Stellen einen Tag.
Die acht Feste
Es ist noch kalt. Trotzdem singt morgens vor dem Fenster schon ein Vogel.
Du kommst von der Arbeit, und es ist noch hell.
Die Bäume an der Straße blühen, und nachts kann es trotzdem noch frieren.
Der längste Tag im Jahr. Alles wächst gleichzeitig, und nicht alles bekommt genug.
Die Felder am Stadtrand sind abgeerntet. Was gewachsen ist, ist jetzt drinnen.
Kastanien auf dem Gehweg. Die Sonne geht wieder dort unter, wo sie im März unterging.
Das Laub liegt auf der Straße. Am Zweig bleibt eine kleine Narbe, und die ist geschlossen.
Um halb fünf ist es dunkel. Der Baum vor dem Haus braucht die Kälte, damit er im Frühjahr blühen kann.
Die acht Feste antworten einander. Das Licht im März und die Kastanie im September finden am selben Ort statt: Du stehst zweimal an derselben Stelle, mit einem halben Jahr dazwischen. Der Frost im Dezember gibt einer Sache sechs Wochen Ruhe, bis zur Amsel im Februar. Dort öffnest du den Karton wieder.
Du kannst bei jedem Fest einsteigen. Und du musst nicht alle acht begehen. Zwei oder drei können ein Jahr schon verändern.
Wie ein Fest aufgebaut ist
Ein Satz, den du aussprichst. Wenn er nicht nach dir klingt, sag ihn anders. Eine Zeremonie trägt nur Worte, die du ihr glaubst.
Etwas, das dein Körper macht.
Der etwas Unsichtbares greifbar macht. Ein Papierstreifen, ein Umschlag, zwei Kastanien. Fast alles ist schon im Haus.
Draußen oder am Küchentisch. Der Blick aus dem Bürofenster in der Mittagspause ist genauso ein Fest.
Morgens, mittags oder abends. Manchmal reichen zehn Minuten. Wichtig ist der Moment.
Ein Mensch, der davon weiß. Oder ein Eintrag in deinem Kalender, der dich später daran erinnert. Manchmal bist du dieser Zeuge selbst.
Und für die Kinder
Am Schluss jedes Fests steht eine kleine Zeremonie für Kinder. Spielerisch, kurz und leicht, mit demselben Gedanken. Im Dezember kommt ein Ding in einen Karton, gemeinsam zugeklebt, mit viel Klebeband. Das Kind klopft darauf und sagt:
„Das darf jetzt schlafen.“
Am 1. Februar wird der Karton wieder aufgemacht.

Wer das schreibt
Ich bin Daria Pfeiffer, Freie Rednerin in Duisburg und NRW. Ich halte Hochzeiten und Trauerfeiern.
Nach einer Trauerfeier höre ich oft dieselben zwei Sätze. „Jetzt verstehe ich.“ Und: „Danke, dass du sie gesehen hast.“ Nicht: Danke für die schönen Worte. Gesehen. Mehr tut eine Zeremonie nicht. Sie sieht hin, wo sonst alle weitergehen.
Was du dafür brauchst
Du musst nichts glauben,
um diese Feste zu begehen.
Menschen haben den Lauf der Sonne zu allen Zeiten beobachtet. Neu sind die Namen, die Gedanken und die Zeremonien in diesem Buch. Sie gehören keiner Religion und keiner Lehre. Keine dieser Zeremonien verlangt ein bestimmtes Gefühl von dir.
Und dazu: ein Mensch, der nachfragt. Oder ein Eintrag im Kalender, der es für ihn tut.
Das Buch
Mit einem Vorwort über das Hinsehen, den acht Festen, jedes mit einer Zeremonie für dich, einer Idee für Partner und Familie und einer kleinen Zeremonie für Kinder. Dazu „Mein Jahr“ zum Eintragen.


In Zeremonie mit dem Jahr · Acht neue Feste
96 Seiten · als PDF · 24 €