Das schwere Wort.
Warum Zeremonie nach Kirchenbank klingt und wem das Wort eigentlich gehört.
Viele Menschen mögen dieses Wort nicht. Ich habe es lange selbst nicht gemocht.
Woran es liegt
Zeremonie klingt nach Kirchenbank.
Nach Protokoll. Nach jemandem, der vorne steht und weiß, wie es geht, während alle anderen sitzen und zuschauen. Es klingt nach etwas, das man richtig machen kann. Und also auch falsch.
Genau das hält Menschen ab. Nicht die Sache. Das Wort.
Warum das Wort nichts dafür kann
Ich habe lange nach einem anderen gesucht. Ich habe keines gefunden. Feier trifft es nicht, weil nicht jeder Übergang ein Anlass zur Freude ist. Ritual klingt für die einen nach Esoterik und für die anderen nach Zwang. Moment ist zu klein.
Irgendwann habe ich verstanden, warum es kein besseres gibt. Das Wort ist nicht schwer. Wir haben es nur schweren Institutionen überlassen: der Kirche, dem Staat, dem Standesamt. Sie haben es verwaltet, und dabei ist es steif geworden, wie alles, was zu lange verwaltet wird.
Das Wort ist nicht schwer. Wir haben es nur schweren Händen überlassen.
Was es eigentlich meint
Zeremonie halten wir, wenn das Leben anhält.
Mehr steckt nicht darin. Kein Pfarrer, kein Saal, keine Gäste, keine Kleidung, in der man nicht sitzen kann, kein Skript, das jemand vor hundert Jahren für andere Menschen geschrieben hat.
Es braucht nur dich und einen Moment, der es verdient hat.
Wem es gehört
Die großen Zeremonien der Kirchen und der Ämter haben ihren eigenen Zweck. Sie meinen Gott, oder sie meinen den Staat. Das ist legitim, und wer dort zu Hause ist, verliert nichts davon.
Daneben liegt aber alles andere. Und dafür ist keine Institution zuständig. Die zeremonie gehört nicht denen, die sie verwalten. Sie gehört dir. Sie hat immer dir gehört.
Du darfst sie zurücknehmen. Leise, ohne Erlaubnis, an einem ganz gewöhnlichen Abend.
Warum es trotzdem das richtige Wort bleibt
Jedes kleinere Wort würde die Sache kleiner machen. Moment klingt beiläufig. Übung klingt nach Programm. Zeremonie ist das einzige Wort, das sagt: Das hier zählt.
Es ist ein großes Wort. Große Worte sind für große Dinge da. Ein Leben, das sich verändert, ist eines.
Was das im Gespräch verändert
Ich erlebe es in fast jedem Vorgespräch. Menschen sagen mir, sie wollten nichts Feierliches, nichts Steifes, bloß nichts Kirchliches. Und beschreiben mir zwei Sätze später genau eine Zeremonie: einen Moment, in dem alle stehen bleiben und jemand ausspricht, was gerade passiert.
Das Wort wollten sie nicht. Die Sache wollten sie sehr.
