Der Wald als Grab.
Was ein Friedwald ist, welche Regeln dort gelten — und für wen er der richtige Ort ist.
Manche Menschen sagen diesen Satz Jahre vorher. Bloß nicht dieser Friedhof. Bloß nicht dieser Stein, den dann jemand putzen muss. Und dann steht ihr da und sollt herausfinden, was er eigentlich gemeint hat.
Zuerst das
Ein Friedwald ist kein Gegenentwurf zum Friedhof. Er ist einer — nur einer, der aus Bäumen besteht statt aus Reihen. Rechtlich gilt dort dasselbe wie überall.
Das ist keine Nebensache, sondern die Antwort auf die Frage, die mir Familien am häufigsten stellen: ob das denn erlaubt sei. Ja. Bestattungswälder sind genehmigte, gewidmete Friedhofsflächen. Die beisetzung dort ist so ordentlich wie jede andere.
Friedwald, Ruheforst, Bestattungswald
Die Wörter werden durcheinandergeworfen, und das sorgt für Verwirrung.
Der Oberbegriff ist bestattungswald. FriedWald und RuheForst sind Anbieter mit geschützten Namen — so, wie man Tempo sagt und Papiertaschentuch meint. Wenn in eurer Nähe ein Bestattungswald liegt, kann er zu einem dieser Anbieter gehören oder von der Kommune selbst betrieben werden.
Nicht dasselbe ist der Waldfriedhof. Der ist ein klassischer Friedhof mit vielen Bäumen, mit Steinen, mit Bepflanzung. Wer einen Waldfriedhof besucht und dann einen Bestattungswald erwartet, erlebt eine Überraschung.
Wie es dort aussieht
Es sieht aus wie Wald. Genau das ist der Punkt.
Die Asche kommt in einer biologisch abbaubaren Urne in den Wurzelbereich eines Baumes, ein paar Meter vom Stamm entfernt, gut siebzig Zentimeter tief. Die Urne zersetzt sich nach einigen Jahren. Oben weist meistens eine kleine Namenstafel auf den Baum hin, mehr nicht.
Kein Stein. Kein Gesteck. Keine Grablichter. Auch kein Dekorieren mit Zapfen und Ästen aus dem Wald selbst — dafür gibt es klare Regeln, und sie gelten für alle Gräber dort gleichermaßen.
Die Grabpflege übernimmt hier die Natur. Das ist der ganze Gedanke.
Was ihr wissen müsst, bevor ihr euch entscheidet
- Eine Waldbestattung setzt die Einäscherung voraus. Särge kommen dort nicht in die Erde, nur Urnen.
- Ihr könnt einen einzelnen Platz erwerben oder einen ganzen Baum für die Familie. Die Nutzungszeiten sind lang, bis zu neunundneunzig Jahre.
- Anonym ist es nicht. Jeder Baum ist verzeichnet und auffindbar, mit Nummer und Lage. Ihr könnt jederzeit hin.
- Der Wald bleibt öffentlich. Dort gehen Spaziergänger und Hunde vorbei, und für manche Familien ist genau das tröstlich, für andere schwer.
- Grabschmuck, den ihr zur Beisetzung mitbringt, nehmt ihr danach wieder mit. Sagt das euren Gästen vorher, sonst bestellt jemand ein Gesteck umsonst.
Die Feier im Wald
Die Beisetzung wird von einer Försterin oder einem Förster begleitet. Sie kann still stattfinden, im engsten Kreis oder mit einer vollständigen trauerfeier an Ort und Stelle. Eine trauerrede ist dort ebenso möglich wie ein Gebet, ein Lied oder ein eigenes Ritual.
Ein paar Dinge sind anders als in der Kapelle, und sie sind alle lösbar, wenn man sie kennt:
- Es gibt keinen Strom. Musik kommt von Menschen oder von einem geladenen Akku-Lautsprecher, wenn er erlaubt ist.
- Es gibt keine Sitzreihen. Wer nicht lange stehen kann, braucht einen Hocker — und jemanden, der ihn trägt.
- Es gibt Wetter. Plant es ein, statt dagegen anzukämpfen.
- Der Weg zum Baum gehört dazu. Fragt vorher nach Länge und Untergrund, wenn jemand mit Rollator oder Rollstuhl kommt.
Wie sich ein Abschied unter Bäumen anfühlt, habe ich an anderer Stelle erzählt. Meine zweite Trauerfeier überhaupt war eine im Wald, und sie hat meine Arbeit verändert.
Für wen er passt
Für Menschen, die im Wald zu Hause waren. Für Familien, die weit auseinander wohnen und ein Grab niemals regelmäßig pflegen könnten. Für alle, die diesen einen Satz gesagt haben: Macht euch bloß keine Arbeit mit mir.
Für wen nicht
Für Menschen, die trauern, indem sie etwas tun. Die Blumen bringen wollen, die Erde harken wollen, die im Frühjahr etwas einpflanzen wollen. Diesen Weg gibt es im Bestattungswald nicht, und er lässt sich nicht ersetzen.
Das ist keine kleine Frage. Für manche Hinterbliebene ist die Grabpflege über Jahre der Ort, an dem sie mit einem Menschen weitersprechen. Wer ihnen das nimmt, meint es gut und nimmt trotzdem etwas weg.
Was es kostet
Das sagt euch der Bestatter oder der Bestattungswald direkt, und beide tun das transparent. Grob setzt es sich aus drei Teilen zusammen: dem Nutzungsrecht am Baumplatz, den Gebühren für die Beisetzung und den Leistungen des Bestattungshauses.
Was dauerhaft wegfällt, sind Stein und Grabpflege. Über die Jahre ist das der größere Betrag — und für viele Familien der eigentliche Grund.
