Das Handwerk

Machst du wirklich beides gleich gern?

Hochzeiten und Abschiede von derselben Person: passt das zusammen?

Eine Frau sitzt still und nachdenklich
Zwei Anlässe, ein Auftrag
Das Handwerk 25. August 2026 · 5 Minuten

„Machst du wirklich Trauungen und Trauerfeiern gleich gern?“ Ich verstehe diese Frage. Auf den ersten Blick könnten die Anlässe kaum weiter auseinanderliegen. Der eine Tag ist voller Vorfreude, der andere voller Verlust. Und trotzdem berühren beide denselben Kern meiner Arbeit.

Ich hätte es früher selbst nicht gedacht

Dass eine Trauerfeier nicht traurig, sondern dankbar machen kann, war für mich keine Erwartung, sondern eine Überraschung. Ich habe es erst erlebt und dann geglaubt.

Natürlich ist die Energie anders. Die Stimmung, das Setting, die Kleidung, das Tempo, mit dem Menschen einen Raum betreten. An einem Tag wird gelacht, bevor es anfängt, am anderen wird geflüstert.

Der Auftrag ist derselbe. Mit Worten eine Liebesgeschichte malen: über ein Leben, das zu Ende geht, oder über ein gemeinsames, das gerade beginnt.

Was beide Anlässe im Kern verlangen

Eine Zeremonie halten wir, wenn sich ein Leben verändert. Wir halten kurz inne. Wir ehren, was war, oder feiern, was kommt. Die Bewegung ist in beide Richtungen dieselbe.

Handwerklich sind die Anforderungen fast identisch, und das überrascht die meisten:

  • Einen Menschen so beschreiben, dass die Anwesenden ihn wiedererkennen. Bei der Hochzeit sind es zwei, beim Abschied einer.
  • Ein Gespräch führen, in dem gesagt werden kann, was sonst nicht gesagt wird.
  • Entscheiden, was nicht vorkommt. Diese Arbeit ist bei beiden Anlässen gleich groß und gleich unsichtbar.
  • Einen Raum halten, während achtzig Menschen etwas fühlen, das sie nicht geplant haben.
  • Die eigene Fassung behalten, ohne unbeteiligt zu wirken.

Zeremonien halten wir, wenn sich ein Leben verändert. Die Richtung ist der einzige Unterschied.

Was das eine dem anderen gibt

Der eigentliche Grund, warum ich beides mache, ist nicht Vielseitigkeit. Es ist, dass jedes den Blick für das andere verändert.

Nach Trauerfeiern weiß ich, was am Ende eines Lebens zählt, und es ist nie das, was auf einer Hochzeitsplanung steht. Angehörige erzählen von Gewohnheiten, von Verlässlichkeit, von einem Menschen, der immer angerufen hat. Nie von einer Location. Das verändert, welche Fragen ich einem Paar stelle.

Und umgekehrt: Wer regelmäßig Anfänge begleitet, verliert bei Abschieden die Scheu vor dem Leichten. In fast jeder Trauerfeier gibt es eine Stelle, an der gelacht werden darf. Wer nur Abschiede kennt, traut sich seltener dorthin.

Der Unterschied, der bleibt

Einer ist echt, und er hat nichts mit Handwerk zu tun. Bei einer Hochzeit gestalte ich mit. Es gibt Vorlauf, Proben, Änderungen, gemeinsame Vorfreude.

Bei einem Abschied bin ich ein Gast in einer Ausnahmesituation, die niemand wollte. Es gibt keine Vorfreude und wenig Zeit. Was ich dort tue, wird einmal getan und ist danach nicht korrigierbar.

Deshalb sind es für mich zwei verschiedene Gefühle bei gleicher Arbeit. Das eine trage ich mit Leichtigkeit. Das andere mit Demut.

Woher der Zweifel kommt

Der Ratschlag, beides zu trennen, hat einen nachvollziehbaren Kern: Wer heiratet, möchte nicht an Sterben denken.

In der Praxis passiert das Gegenteil. Paare, die wissen, dass ich auch Abschiede halte, sprechen im Vorgespräch anders: über Endlichkeit, über Verstorbene, die fehlen, über das, was sie wirklich versprechen wollen. Das ist keine Last für eine Hochzeit. Es ist ihr Gewicht.

Beides ist Liebe

Am Ende ist es dieselbe Sache in zwei Zuständen. Eine Rede über ein Leben, das zu Ende gegangen ist, ist eine Liebeserklärung von allen, die geblieben sind. Eine Rede über zwei Menschen, die anfangen, ist eine Liebeserklärung, die noch nicht eingelöst wurde.

Beides ist echt. Und beides braucht jemanden, der zuhört, bevor er spricht.

Daria Pfeiffer
Daria Pfeiffer Freie Rednerin · Duisburg & NRW · über 100 Zeremonien

Ich begleite Menschen bei den Übergängen, die zählen. Ich schreibe keine Standardreden. Ich suche die Essenz eines Menschen und male sie in Worte. Meine Geschichte

Autorin von »In Zeremonie mit Dir«, »Eure Essenz« und »Wenn es Dich erwischt«.
Stilpunkte 2025 & 2026 · Zertifizierte Freie Rednerin (IHK Köln).

Häufige Fragen.

Das Handwerk
Kann eine freie Rednerin Trauungen und Trauerfeiern halten?

Ja, und es ist verbreiteter, als es wirkt. Die Anlässe unterscheiden sich in Stimmung und Tempo, handwerklich verlangen sie fast dasselbe.

Was haben Hochzeit und Trauerfeier gemeinsam?

Beide markieren eine Veränderung im Leben, beide verlangen, einen Menschen wiedererkennbar zu beschreiben, und in beiden entscheidet die Auswahl darüber, ob es trägt.

Ist es für ein Paar unangenehm, wenn die Rednerin auch Abschiede hält?

In der Praxis eher das Gegenteil. Paare sprechen dann offener über Endlichkeit und darüber, wer fehlt, und die Zeremonie bekommt Gewicht.

Was ist der größte Unterschied zwischen beiden?

Der Vorlauf. Eine Hochzeit wird gemeinsam gestaltet, mit Vorfreude und Zeit. Ein Abschied findet in wenigen Tagen statt und ist danach nicht korrigierbar. In beiden Zeremonien versuche ich, Menschen erkennbar zu machen. Ich möchte keine Rolle beschreiben, sondern ein Leben. Bei einer Hochzeit erzählen wir, warum zwei Menschen heute Ja zueinander sagen. Bei einer Trauerfeier schauen wir auf das, was ein Mensch in anderen hinterlassen hat. Natürlich sind die Aufgaben unterschiedlich. Ein Hochzeitspaar hat Zeit, zu gestalten und Entscheidungen zu ändern. Ein Abschied ist oft innerhalb weniger Tage vorbereitet. Genau deshalb brauchen beide Formen Aufmerksamkeit, handwerkliche Sicherheit und den Mut, wirklich hinzusehen. Dass ich beides mache, fühlt sich für mich nicht wie ein Widerspruch an. Bei einer Hochzeit darf ein Paar oft monatelang überlegen. Es kann einen Entwurf verwerfen, ein Lied austauschen und sich immer wieder fragen, was wirklich zu ihm passt. Bei einem Trauerfall bleibt manchmal nur sehr wenig Zeit. Dann ist gutes Zuhören nicht weniger wichtig: eher noch mehr. Ich gehe an beide Aufgaben mit derselben Ernsthaftigkeit, aber nicht mit demselben Tempo. Die Menschen brauchen Unterschiedliches von mir. Und das ist für mich kein Widerspruch, sondern Teil des Handwerks. Ich stehe nicht für Freude oder Trauer. Ich stehe für die Menschen, deren Geschichte an diesem Tag Worte braucht. Weiterlesen: Was im Vorgespräch passiert. · Ich bin nicht die beste freie Rednerin.

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