Das ganze Theater.
Über eine simple Frage im Vorgespräch — und einen Satz, der alles zurückholt.
„Jetzt weiß ich wieder, warum wir das ganze Theater machen.“ Das hat er gesagt. Der Bräutigam. Mitten im Vorgespräch.
Eine simple Frage
Ich stelle in jedem Vorgespräch eine Frage, die simpel klingt: Warum eigentlich eine freie Trauung.
Die meisten antworten mit dem, was man darauf antwortet. Persönlicher. Freier. Nicht so steif wie im Standesamt.
Sie nicht.
Ihre Antwort
„Weil ich nicht das Gefühl habe, ihn heiraten zu müssen. Weil ich das Gefühl habe, ein Traum geht in Erfüllung.“
„Jedes Detail ist Liebe. Weil ich jedes Detail an uns liebe.“
Sie hat ihn dabei von der Seite angeschaut. Er hat sich fast wütend eine Träne weggewischt. Dann kam sein Satz.
Jetzt weiß ich wieder, warum wir das ganze Theater machen.
Ich habe in mich hineingrinsend an meinem Aperol genippt. Und hatte den ersten Satz für meine Rede.
Der Grund war nie weg
Er hatte den Grund nicht vergessen. Er hatte ihn nur seit Monaten nicht mehr gehört.
Sitzpläne. Kosten. Tischdecken. Für ihn war das irgendwann „das Theater“. Für sie war jedes Detail Liebe.
Genau dafür ist das Vorgespräch da. Nicht nur, damit ich eure Geschichte kenne. Sondern damit ihr sie einander wieder erzählt.
Denn die Frage ist nicht, warum ihr heiratet. Die Frage ist: warum so. Warum diese Trauung. Dieser Raum. Diese Worte. Wer sich diese Frage zu zweit stellt, hört manchmal etwas, das er lange nicht mehr gehört hat.
