Was in ein Eheversprechen nicht gehört.
Acht Sätze, die jeder schreibt, und warum sie den Raum verlieren.

Ihr sitzt vor eurem Eheversprechen. Ihr liebt diesen Menschen. Ihr habt tausend Dinge im Kopf. Und plötzlich schreibt ihr einen Satz, der auch auf einer Postkarte stehen könnte. Nicht, weil eure Liebe beliebig wäre. Sondern weil die eigenen Worte manchmal schwerer zu finden sind als fremde. Ich möchte euch zeigen, was ihr guten Gewissens streichen dürft. Damit am Ende mehr von euch übrig bleibt.
01 · Das Zitat
Ein fremder Satz am Anfang schiebt sich zwischen dich und den Menschen, dem du etwas sagen willst. Er sagt: Was ich selbst formulieren kann, reicht nicht.
Es reicht. Ein unvollkommener eigener Satz trägt weiter als ein perfekter fremder.
02 · Die Danksagung an die Gäste
„Danke, dass ihr heute alle hier seid.“ Das ist ein Satz an den Raum, und ein Eheversprechen ist kein Satz an den Raum. Der Dank gehört in die Rede beim Essen.
03 · Der Rückblick
„Als wir uns 2016 auf der Hochzeit deiner Schwester kennengelernt haben …“ Die Geschichte wurde zwanzig Minuten vorher von der Rednerin erzählt. Wiederholung kostet nur Zeit.
Ein Versprechen zeigt nach vorn. Das ist seine ganze Bauart.
04 · Die Ewigkeitsformel
„Ich werde dich für immer und ewig lieben.“ Alle im Raum wissen, dass niemand das versprechen kann, weil niemand über sein Fühlen verfügt.
Versprich stattdessen, was in deiner Hand liegt: dass du bleibst, wenn du es nicht spürst. Dass du sagst, wenn etwas nicht stimmt. Dass du zuerst fragst und dann urteilst.
Verspreche nichts, was du nicht entscheiden kannst.
05 · Die Eigenschaftsliste
„Du bist so klug, so witzig, so schön, so großzügig.“ Vier Adjektive löschen sich gegenseitig aus. Nach dem dritten hört niemand mehr zu.
Eine konkrete Sache statt vier allgemeiner. Nicht „du bist großzügig“, sondern was sie getan hat, als es dich getroffen hat.
06 · Der Insider ohne Boden
Ein privater Witz ist gut. Ein privater Witz, der eine Erklärung braucht, ist ein Loch im Text: Erst versteht keiner, dann erklärst du, dann ist er nicht mehr lustig.
Die Regel: Der Satz darf für andere unverständlich bleiben. Er darf nur nicht verlangen, dass du ihn auflöst.
07 · Die Bedingung
„Ich verspreche dir, dass wir immer offen miteinander reden, solange wir beide …“ Alles nach „solange“ schwächt alles davor. Ein Versprechen mit Ausstieg ist eine Absichtserklärung.
08 · Der Schluss mit drei Sätzen
Der häufigste Fehler ganz am Ende. Der Text hat einen guten letzten Satz, und dann kommen noch zwei.
Streiche die letzten beiden. Fast immer stand der richtige Schluss schon da.
Ein Test, der zuverlässig funktioniert
Lies deinen Text und streiche jeden Satz, der auch in einem anderen Eheversprechen stehen könnte.
Was übrig bleibt, ist dein Versprechen. Wenn nichts übrig bleibt, hast du noch nicht angefangen und weißt jetzt, wo.
