„Mama, willst du auf meiner Einschulung sprechen?“
Mein berührendstes Honorar — und das süßeste Vorgespräch, das ich je geführt habe.
Ich habe gelacht und gesagt: „Ja klar, mach ich.“ Zuerst dachte ich, es sei ein Spiel. War es nicht.
Das volle Programm
Mein Sohn wollte das volle Programm.
Also haben wir telefoniert, und ich habe ihn zu einem Erstgespräch eingeladen. Es war ihm wichtig, dass ich alles so mache „wie sonst auch“.
Für meine Brautpaare kaufen wir oft zusammen den Kuchen, besorgen frische Blumen — er sieht mich wild das Bad putzen. Also kaufte ich diesmal alleine den Kuchen, besorgte die Blumen, holte das edle Porzellan raus und richtete alles her, so wie ich es sonst so gerne mache.
Nur das Putzen habe ich mir gespart.
Ein Spiel — und dann auch wieder nicht
Ja, es war auch ein Spiel. Aber dann auch wieder nicht.
Ich habe gemerkt, wie wichtig es für ihn war, dass ich mir genauso viel Mühe für ihn gebe wie für alle anderen. Er weiß, wie sehr ich meine Arbeit liebe — und er wollte ein Teil davon sein.
Und das wurde er.
Er saß mir gegenüber, an unserem eigenen Tisch, vor dem guten Porzellan, und hat mir selbst aus seinem Leben erzählt. Von den Dingen, die ihm wichtig sind. Von dem, worauf er sich freut. Das war einfach das süßeste und berührendste Vorgespräch, das ich je geführt habe.
Er weiß, wie sehr ich meine Arbeit liebe — und er wollte ein Teil davon sein.
Was mir dieser Nachmittag gezeigt hat
Kinder prüfen nicht, was wir sagen. Sie prüfen, ob wir es ernst meinen.
Mein Sohn hätte sich eine Rede von mir jederzeit wünschen können, zwischen Tür und Angel, und er hätte sie bekommen. Aber er wollte nicht die Rede. Er wollte das Ernstgenommenwerden. Den Anruf. Die Einladung. Den Kuchen. Er wollte einmal der Mensch sein, für den ich mich so herrichte wie für fremde Menschen an ihren größten Tagen.
Ich glaube, das ist etwas, das nicht nur für Kinder gilt. In jedem Vorgespräch sitzt jemand, der nicht nur eine Rede bestellt. Da sitzt jemand, der wissen will, ob seine Geschichte es wert ist, dass sich jemand Mühe gibt. Die Antwort ist immer ja. Mein Sohn hat mich nur daran erinnert, wie sichtbar diese Mühe sein darf.
Und jetzt
Jetzt schreibe ich eine Rede für einen Jungen, dessen ganze Geschichte ich kenne — und der mir trotzdem Dinge erzählt hat, die ich noch nicht wusste.
Ich weiß jetzt schon: Das wird eine der emotionalsten Reden, die ich je halten werde.
Und das Honorar ist längst bezahlt. Es war dieser Nachmittag.
