Schwellen

Wo bin eigentlich ich geblieben?

Die Kunst, im eigenen Leben vorzukommen. Teil 1: Wenn du dich in deinem eigenen Leben verlierst.

Daria Pfeiffer an einen Baum gelehnt, nachdenklicher Blick
Wo bin eigentlich ich geblieben?
Schwellen 4. November 2026 · 3 Minuten

Niemand hat mir gesagt, dass es so enden könnte. Dass ich irgendwann ein Leben führen würde, in dem ich mich selbst kaum noch wiederfand.

Es gibt Veränderungen, die bemerken wir sofort.

Ein Umzug. Eine Trennung. Ein neuer Beruf. Die Geburt eines Kindes.

Und dann gibt es Veränderungen, die passieren so leise, dass wir sie erst bemerken, wenn sie längst Teil unseres Lebens geworden sind.

So war es bei mir.

Ich hatte vieles von dem, was ich mir einmal gewünscht hatte. Eine Familie. Ein Zuhause. Ein Kind, das ich über alles liebe.

Und trotzdem gab es irgendwann diesen Gedanken:

Wo bin eigentlich ich geblieben?

Nicht als Mutter. Nicht als Partnerin. Nicht als diejenige, die sich um alles kümmert.

Sondern ich.

Die Frau mit eigenen Wünschen, Gedanken, Bedürfnissen und Vorstellungen davon, wie sich ihr Leben anfühlen soll.

Wie man sich selbst aus den Augen verliert

Ich glaube nicht, dass wir uns an einem einzigen Tag verlieren.

Es passiert in vielen kleinen Momenten.

Wenn wir müde sind, aber trotzdem noch schnell etwas erledigen.

Wenn wir eigentlich Nein sagen möchten, aber Ja sagen, weil es einfacher ist.

Wenn wir uns etwas wünschen, es aber auf später verschieben.

Und irgendwann wird dieses Später zu einer Gewohnheit.

Wir wissen ganz genau, was andere Menschen brauchen. Wir kennen ihre Termine, ihre Vorlieben, ihre Sorgen.

Nur unsere eigenen Bedürfnisse werden immer undeutlicher.

Das Schwierige daran ist, dass wir dabei oft das Gefühl haben, alles richtig zu machen.

Wir übernehmen Verantwortung. Wir kümmern uns. Wir halten unser Leben zusammen.

Und all das sind wertvolle Dinge.

Aber sie sollten nicht bedeuten, dass wir selbst darin verschwinden.

Du musst nicht zwischen dir und den anderen wählen

Lange habe ich geglaubt, dass meine eigenen Bedürfnisse automatisch bedeuten würden, jemand anderem etwas wegzunehmen.

Zeit. Aufmerksamkeit. Fürsorge.

Heute glaube ich, dass diese Rechnung nicht stimmt.

Mich selbst ernst zu nehmen bedeutet nicht, andere weniger zu lieben.

Es bedeutet, anzuerkennen, dass ich ebenfalls ein Mensch bin, um den ich mich kümmern darf.

Dass meine Wünsche nicht erst wichtig werden, wenn alle anderen erfüllt sind.

Und dass ich nicht auf einen besonderen Anlass warten muss, um mich selbst zu fragen, wie es mir eigentlich geht.

Ein kleiner Anfang

Vielleicht brauchst du gerade keine große Veränderung.

Vielleicht brauchst du zunächst nur einen Moment, in dem du dir selbst wieder begegnest.

Setz dich heute für fünf Minuten hin.

Ohne Handy. Ohne etwas erledigen zu müssen.

Und frage dich:

Was wünsche ich mir gerade, wenn ich einmal nicht darüber nachdenke, was alle anderen brauchen?

Du musst darauf nicht sofort eine Antwort finden.

Vielleicht ist es schon ein Anfang, dass du dir diese Frage überhaupt wieder stellst.

Denn du bist nicht nur dafür verantwortlich, dass dein Leben funktioniert.

Du darfst auch darin vorkommen.

In Zeremonie mit Dir · Sehen. Benennen. Bewahren.

Daria Pfeiffer
Daria Pfeiffer Freie Rednerin · Duisburg & NRW · über 100 Zeremonien

Ich begleite Menschen bei den Übergängen, die zählen. Ich schreibe keine Standardreden. Ich suche die Essenz eines Menschen und male sie in Worte. Meine Geschichte

Autorin von »In Zeremonie mit Dir«, »Eure Essenz« und »Wenn es Dich erwischt«.
Stilpunkte 2025 & 2026 · Zertifizierte Freie Rednerin (IHK Köln).

Häufige Fragen.

Schwellen
Was tun, wenn man sich selbst verloren hat?

Erst einmal bemerken, dass es so ist. Wer sieht, dass im eigenen Kalender alles steht außer man selbst, hat schon angefangen. Danach helfen kleine, feste Momente, die nur dir gehören, mehr als ein großer Plan.

Ist es egoistisch, wieder an sich selbst zu denken?

Nein. Du nimmst niemandem etwas weg, wenn du in deinem eigenen Leben wieder vorkommst. Die Menschen um dich herum haben mehr von dir, wenn du nicht leer bist.

Sprechen wir

Wenn ihr eine Zeremonie sucht,
die sich anfühlt wie ihr,
dann schreibt mir.

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