Ich wollte nur einen Erdbeer-Crêpe.
Was ich aus einem anderen Plan gelernt habe.

Ich wollte nur einen Erdbeer-Crêpe. Mehr nicht. Kein großes Abenteuer, keine Erkenntnis fürs Leben. Und dann kam es anders. Manchmal braucht es wirklich nicht viel, um mich daran zu erinnern, wie hartnäckig ich an einer Vorstellung festhalten kann.
Das Leben will auch mal etwas anderes als aufgeschrieben.
Ich habe mal wieder erlebt, wie wertvoll es ist, nicht an festgelegten Regeln festzuhalten. Und dass starres Festhalten am Ende nur ins Leere führt.
Die Bestellung
Es ist eine winzige Geschichte, und vielleicht ist sie gerade deshalb wahr. Da ist ein Plan: ein ganz kleiner, süßer Plan, nicht mehr als ein Crêpe mit Erdbeeren. Und dann gibt es ihn nicht. Oder anders. Oder etwas ganz anderes steht plötzlich auf dem Teller.
Ich kenne beide Ausgänge dieser Geschichte. Den einen, in dem man dem fehlenden Crêpe hinterhertrauert und der Nachmittag daran ein bisschen kaputtgeht. Und den anderen, in dem man sich öffnet für das, was gerade wirklich da ist, und bestellt wird.
An diesem Tag habe ich mich für den zweiten entschieden. Und er war besser als der Plan.
Warum ich das aufschreibe
Weil es im Kleinen dasselbe ist wie im Großen. Ich arbeite mit Menschen an Tagen, für die es monatelange Pläne gibt und das Schönste an diesen Tagen ist fast nie geplant. Es regnet, und alle rücken zusammen. Ein Kind läuft in den Mittelgang. Jemand fängt an zu singen.
Ich bin kein Lautsprecher, ich bin ein Spiegel. Meine Worte sind mein Blick. Und dieser Blick übt an Erdbeer-Crêpes, was er an Zeremonien können muss: das nehmen, was da ist. Nicht das, was bestellt war.
Nicht jeder Plan verdient einen Kampf
Es gibt Dinge, für die es sich lohnt, dranzubleiben. Und es gibt einen Crêpe, den es eben gerade nicht gibt. Ich lerne immer wieder, den Unterschied zu erkennen. Nicht jedes geplatzte Vorhaben ist eine Niederlage. Manches macht Platz für eine andere Möglichkeit, die vorher gar nicht sichtbar war.
Diesen Gedanken nehme ich auch mit in meine Arbeit. Natürlich bereite ich Zeremonien genau vor. Aber ich möchte nicht so an einem geschriebenen Ablauf hängen, dass ich den Menschen vor mir nicht mehr wahrnehme. Manchmal lacht plötzlich ein Kind. Jemand braucht einen Augenblick. Dann darf die Wirklichkeit wichtiger sein als die nächste Zeile im Manuskript.
Der Erdbeer-Crêpe ist nicht gekommen. Ein guter Gedanke schon. Und am Ende war das vielleicht die bessere Bestellung.
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