Ich wollte nur einen Erdbeer-Crêpe.
Über Pläne, Regeln und das, was stattdessen bestellt wird.
Ich wollte nur einen Erdbeer-Crêpe. Es kam anders — und genau darum geht es.
Zuerst das
Das Leben will auch mal etwas anderes als aufgeschrieben.
Ich habe mal wieder erlebt, wie wertvoll es ist, nicht an festgelegten Regeln festzuhalten. Und dass starres Festhalten am Ende nur ins Leere führt.
Die Bestellung
Es ist eine winzige Geschichte, und vielleicht ist sie gerade deshalb wahr. Da ist ein Plan — ein ganz kleiner, süßer Plan, nicht mehr als ein Crêpe mit Erdbeeren. Und dann gibt es ihn nicht. Oder anders. Oder etwas ganz anderes steht plötzlich auf dem Teller.
Ich kenne beide Ausgänge dieser Geschichte. Den einen, in dem man dem fehlenden Crêpe hinterhertrauert und der Nachmittag daran ein bisschen kaputtgeht. Und den anderen, in dem man sich öffnet für das, was gerade wirklich da ist — und bestellt wird.
An diesem Tag habe ich mich für den zweiten entschieden. Und er war besser als der Plan.
Warum ich das aufschreibe
Weil es im Kleinen dasselbe ist wie im Großen. Ich arbeite mit Menschen an Tagen, für die es monatelange Pläne gibt — und das Schönste an diesen Tagen ist fast nie geplant. Es regnet, und alle rücken zusammen. Ein Kind läuft in den Mittelgang. Jemand fängt an zu singen.
Ich bin kein Lautsprecher, ich bin ein Spiegel. Meine Worte sind mein Blick. Und dieser Blick übt an Erdbeer-Crêpes, was er an Zeremonien können muss: das nehmen, was da ist. Nicht das, was bestellt war.
