Mascara im Manuskript · Säule

Zweimal wollte ich absagen.

Cap Verde, die Angst und die Erlaubnis, ihr die Stirn zu bieten.

Daria Pfeiffer, freie Rednerin
Ka tem stress — ein leises Versprechen, das langsam einsickert
Mascara im Manuskript 16. Oktober 2026 · 3 Minuten

Diese Reise hat mich mehr gekostet, als ich mit Worten erklären kann. Und ich spreche nicht von Geld.

Zweimal aus Angst

Zweimal wollte ich absagen. Zweimal aus Angst.

Angst vor meinem eigenen Mut. Angst, ein paar Tage ohne mein Kind zu sein. Angst, meiner Verantwortung nicht gerecht zu werden. Angst, meinen Träumen zu nah zu kommen. Angst vor der Sichtbarkeit. Angst davor, das zu verkörpern, was längst in mir lebt.

Denn es ging um Erlaubnis. Darum, sie mir selbst zu geben.

Vielleicht fragt ihr euch: Vier Tage verreisen — wo ist das Problem. Doch die meisten Mamas wissen, wovon ich spreche. Von diesem ständigen Zwiespalt zwischen grenzenloser Liebe, für die wir alles tragen — und dem Wissen, dass wir uns selbst nicht verlieren dürfen.

Vielleicht

Ich stand schon einmal an diesem Punkt. Vor ein paar Jahren. Damals lasen wir das Buch „Vielleicht“.

Ich las es und hatte einen so dicken Kloß im Hals. Ich las meinem Kind vor — und gleichzeitig mir. Wie konnte ich mir all das von Herzen für ihn wünschen und es mir selbst verwehren.

Ich mache diese Reise auch für mein Kind. Weil es zu oft gesehen hat, wie ich mich klein gemacht habe. Immer mit guten Gründen. Immer im Glauben, es zu schützen. Doch ich weiß heute: Es war nicht richtig.

Mein Kind soll eine mutige Mama haben. Eine, die für sich einsteht. Denn wie könnte ich anderen sagen, ihr dürft alles sein, was ihr wollt — und selbst in meinen Ängsten gefangen bleiben.

Die Prüfung

Ja, es gibt Menschen, die dir nicht nur Steine, sondern ganze Felsblöcke in den Weg legen. Ich habe meine Angst geprüft: War es wirklich meine. Oder wurde sie mir auferlegt.

Diese Reise hat mich viel gekostet. Hinsehen. Meinen Selbstwert prüfen. Zweifel auspacken. Ängste benennen. Und dann noch einmal. Und noch einmal.

Bin ich sie los? Nein. Aber ich bin mit ihnen hier. Und das ist okay.

Sie haben nicht gesiegt. Ich bin mit ihnen geflogen.

Ka tem stress

Cap Verde, dieses Paradies, von dem ich vorher nichts gewusst habe, hat mir etwas gezeigt: Angst verschwindet nicht, wenn man sie verdrängt oder ihr erliegt — sondern wenn man ihr die Stirn bietet.

Ich war so voller Zweifel. Trotz allem habe ich auf meine Intuition gehört. Die war kaum mehr zu verstehen, aber sie hat doch leise geflüstert.

Hier, zwischen Meer, Wind und Sonne, ist mir leichter ums Herz geworden. Ich darf Freude zulassen. Denn wenn mein Herz aufgeladen ist, werde ich selbst zur Quelle — für alle Menschen um mich herum.

„Ka tem stress — no stress.“ Ein leises Versprechen, das langsam in mich einsickert. Vielleicht komme ich mit Rasterzöpfen zurück. Vielleicht aber auch mit diesem Rhythmus von Inseln, Ozean und Licht im Herzen. Auf jeden Fall mit neuen Freunden.

Was bleibt

Es ist nicht leicht, für die eigenen Träume loszugehen. Sanfte Leben bauen sich nicht von selbst. Man geht los mit zitternden Händen, mit Fragen im Gepäck und mit einer Sehnsucht, die größer ist als die Angst.

Aber jeder Schritt zahlt sich irgendwie aus. Weil ein erfülltes Leben nicht laut entsteht, sondern leise — dort, wo man sich endlich erlaubt, dem zu folgen, was man wirklich ist.

Und ja: Es ist nicht einfach. Aber es ist es wert. Jedes Mal.

Daria Pfeiffer
Daria Pfeiffer Freie Rednerin · Duisburg & NRW · über 100 Zeremonien

Ich begleite Menschen bei den Übergängen, die zählen. Ich schreibe keine Standardreden — ich suche die Essenz eines Menschen und male sie in Worte. Meine Geschichte

Autorin von »In Zeremonie mit Dir«, »Eure Essenz« und »Wenn es Dich erwischt«.
Stilpunkte 2025 & 2026 · Zertifizierte Freie Rednerin (IHK Köln).

Wer die Frau hinter diesen Zeilen kennenlernen will.

Über mich
Sprechen wir

Wenn ihr eine Zeremonie sucht,
die sich anfühlt wie ihr —
dann schreibt mir.

Anfragen