Mein Sohn plant meine Beerdigung.
Obwohl ich kerngesund bin. Und warum ich das wunderschön finde.
Mein Sohn plant meine Beerdigung. Obwohl ich kerngesund bin. Und ehrlich gesagt — ich hoffe, er vergisst keinen einzigen Wunsch.
Wie es dazu kam
Das klingt wahrscheinlich seltsam. Aber ich bin freie Rednerin. Ich begleite jede Woche Menschen bei ihrem Abschied.
Während viele Kinder mit dem Tod kaum Berührung haben, gehört er für meinen Sohn ganz selbstverständlich zum Leben. Er hört zu, wenn ich mit Trauernden telefoniere. Er kennt die Worte, die andere Familien flüstern.
Einmal bekam nach einer trauerfeier jeder Gast einen selbst geschnitzten Spazierstock des Verstorbenen mit nach Hause. Ich durfte einen für meinen Sohn mitbringen.
Er hielt ihn ganz lange in den Händen. Und stellte mir eine Frage nach der anderen. Wer war dieser Mann. Was hat er gerne gemacht. Warum hat er so viele Stöcke geschnitzt.
In diesem Moment ging es nicht um den Tod. Sondern um das Leben, das dieser Mensch hinterlassen hat.
Mama, auf deiner Beerdigung
Neulich sagte er: „Mama, auf deiner Beerdigung möchte ich …“ Und dann begann er, alles zu planen.
Viele würden denken, das wäre unfassbar traurig. Ich fand es wunderschön.
Denn er hatte keine Angst. Er sprach über meinen Tod, wie andere Kinder über einen Geburtstag sprechen. Nicht, weil ihm mein Tod egal wäre — natürlich ist ihm die ganze Tragweite in dem Moment nicht bewusst.
Aber Abschied ist für ihn nichts Verbotenes.
Er sprach über meinen Tod, wie andere Kinder über einen Geburtstag sprechen.
Was ich mir wünsche
Ich wünsche mir, dass mehr Kinder lernen: Der Tod ist kein Thema, über das man schweigen muss. Sondern eines, das zum Leben dazugehören darf.
Ehrlich gesagt — nicht nur für Kinder. Für uns Erwachsene auch.
Vielleicht ist das größte Geschenk, das mein Beruf meinem Sohn macht, nicht, dass er weiß, wie eine Trauerfeier aussieht. Sondern dass er keine Angst davor hat, über das Ende zu sprechen.
Und dass Liebe nicht mit dem Tod verschwindet.
