Abschiede

Musik bei der Trauerfeier.

Wie viele Stücke, an welcher Stelle und warum das Lieblingslied oft das falsche ist.

Kerzenlicht in einem stillen Raum
Drei Stücke sind fast immer genug
Abschiede 27. Juli 2026 · 5 Minuten

Bei Trauerfeiern wird oft zuerst nach der Musik gefragt. Das verstehe ich. Ein einziges Lied kann einen Menschen sofort wieder in den Raum holen. Und manchmal erzählt es mehr als zehn Sätze. Aber nicht jedes Lied muss traurig sein, und nicht jedes beliebte Trauerlied passt zu der Person, von der wir Abschied nehmen.

Wie viele Stücke

Drei. Eines zum Ankommen, eines in der Mitte, eines am Ende. Das ist bei fast jeder Trauerfeier die richtige Zahl.

Mit vier oder fünf wird die Feier zur Aneinanderreihung, bei der zwischen den Stücken gesprochen wird. Mit weniger als zwei fehlt dem Raum die Möglichkeit, zwischendurch aufzuhören zuzuhören und genau das braucht er.

Wo sie stehen

  • Zum Ankommen: leise, instrumental, ohne Text. Die Gäste kommen an und sollen nicht sofort ergriffen werden.
  • Nach der Rede: das persönliche Stück. Hier darf es wehtun. Dies ist die Stelle, an der geweint wird, und dafür ist sie da.
  • Am Ende oder auf dem Weg zum Grab: etwas, das trägt. Nicht heiter, aber aufrecht. Der Raum muss danach wieder gehen können.

Live oder Aufnahme

Beides ist richtig. Live ist stärker, weil ein Mensch anwesend ist, der etwas riskiert. Vom Band ist sicherer und erlaubt genau die Aufnahme, die der Verstorbene gehört hat.

Wenn live: Die Person muss die Situation kennen. Musiker, die nur auf Hochzeiten spielen, unterschätzen regelmäßig, wie anders eine Trauerhalle klingt und wie schwer es ist, in einen weinenden Raum hinein zu beginnen.

Wenn vom Band: Prüft die Anlage vor Ort, nicht das Gerät zu Hause. Und legt fest, wer drückt. Diese Person sollte nicht in der ersten Reihe sitzen.

Warum das Lieblingslied oft das falsche ist

Der häufigste Wunsch ist das Lieblingslied des Verstorbenen. Manchmal ist das richtig. Oft ist es ein Stück, das mit Trauer nichts zu tun hat und den Raum irritiert, weil es zu schnell ist, zu fröhlich, oder weil sein Text an dieser Stelle etwas ganz anderes sagt.

Der Test: Hört das Stück einmal ganz an und stellt euch dabei den Raum vor. Nicht die Erinnerung an den Menschen. Den Raum, die Bänke, die Gesichter.

Wenn es nicht passt und trotzdem vorkommen soll: Es gibt einen Ort dafür. Beim Beisammensein danach, wenn die Form vorbei ist. Dort trägt es plötzlich.

Ein Lied, das mitten in der Feier stört, kann nachher genau das Richtige sein.

Was zuverlässig funktioniert

  • Instrumentales zum Ankommen. Klavier, Cello, Gitarre.
  • Ein Stück, das mit dem Menschen verbunden ist, aber nicht sein Ohrwurm war: die Musik, die im Haus lief, nicht die aus dem Autoradio.
  • Stille an einer Stelle, an der alle Musik erwarten. Dreißig Sekunden nichts sind stärker als jedes Stück.
  • Etwas, das die Gäste mitsingen können, wenn die Familie das möchte. Ein Raum, der singt, hört auf, ein Publikum zu sein.

Zur Lautstärke

Fast alle Aufnahmen laufen bei Trauerfeiern zu leise. Aus Vorsicht wird gedämpft, und dann sitzen achtzig Menschen in einer Halle und hören etwas, das nicht trägt.

Ein Stück, das den Raum füllt, gibt Deckung. Man kann darin weinen, ohne gehört zu werden. Das ist eine seiner wichtigsten Aufgaben.

Rechtliches, kurz

Für Musik bei Trauerfeiern auf Friedhöfen und in kommunalen Trauerhallen bestehen in aller Regel Pauschalverträge mit der GEMA; Angehörige müssen nichts anmelden. Bei freien Orten fragt das Bestattungshaus: dort klärt es sich meist ebenso unauffällig.

Daria Pfeiffer
Daria Pfeiffer Freie Rednerin · Duisburg & NRW · über 100 Zeremonien

Ich begleite Menschen bei den Übergängen, die zählen. Ich schreibe keine Standardreden. Ich suche die Essenz eines Menschen und male sie in Worte. Meine Geschichte

Autorin von »In Zeremonie mit Dir«, »Eure Essenz« und »Wenn es Dich erwischt«.
Stilpunkte 2025 & 2026 · Zertifizierte Freie Rednerin (IHK Köln).

Häufige Fragen.

Abschiede
Wie viele Musikstücke braucht eine Trauerfeier?

Drei: zum Ankommen, nach der Rede und am Ende. Mehr macht die Feier zur Aneinanderreihung.

Welche Musik passt zum Anfang einer Trauerfeier?

Etwas Instrumentales und Leises ohne Text. Die Gäste kommen an und sollten nicht sofort überwältigt werden. Das persönliche Stück gehört nach die Rede.

Live-Musik oder Aufnahme?

Beides ist richtig. Live wirkt stärker, verlangt aber jemanden, der Trauerfeiern kennt. Vom Band ist sicherer und erlaubt genau die Aufnahme, die der Verstorbene gehört hat.

Kann man das Lieblingslied des Verstorbenen spielen?

Manchmal ja. Oft passt es nicht in den Raum, weil Tempo oder Text an dieser Stelle etwas anderes sagen. Hört es einmal ganz an und stellt euch dabei die Halle vor, nicht den Menschen. Beim Beisammensein danach trägt es häufig besser.

Muss man Musik bei der GEMA anmelden?

In aller Regel nicht. Für Friedhöfe und kommunale Trauerhallen bestehen meist Pauschalverträge. Bei freien Orten klärt es das Bestattungshaus. Ich frage nicht zuerst nach einer Playlist. Ich frage, welche Musik dieser Mensch mochte, auch dann, wenn sie überhaupt nicht nach Beerdigung klingt. Vielleicht war es ein Schlager, eine alte Rocknummer, ein Klavierstück oder etwas, das immer beim Autofahren lief. Es muss nicht zu den Erwartungen der Gäste passen. Es sollte eine Verbindung zu dem Leben haben, das wir heute würdigen. Praktisch klären wir, ob die Technik am Ort vorhanden ist, wer die Musik startet und ob wir genügend Zeit für den Anfang und das Ende eines Liedes lassen. Eine gute Liedauswahl kann ihre Wirkung verlieren, wenn sie hektisch abgespielt wird. Auch Stille ist übrigens eine Möglichkeit. Natürlich dürfen Angehörige ihre Wünsche einbringen. Vielleicht haben mehrere Menschen sehr unterschiedliche Vorstellungen. Dann frage ich danach, welche Stücke den Verstorbenen erkennbar machen oder für die Familie tatsächlich eine Bedeutung tragen. Ein Lied muss nicht allen gefallen, um richtig zu sein. Und bitte: Prüft vorab, ob die gewünschte Version verfügbar ist. Bei manchen Stücken macht eine Liveaufnahme einen ganz anderen Eindruck als die Studiofassung. Ein kurzer Techniktest erspart auf dem Friedhof oder in der Kapelle unnötige Aufregung. Musik soll den Abschied nicht schwerer machen, als er ohnehin ist. Sie darf erinnern. Und sie darf sogar ein Lächeln mitbringen. Weiterlesen: Wie eine Trauerfeier abläuft. · Darf man bei einer Trauerfeier lachen?

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